Pseudo-epileptische Anfälle

[aus ZAK 22] In unserer Redaktion treffen immer wieder Anfragen ein, ob Epilepsie vorliegt. Dazu möchten wir feststellen, das eine Abklärung nur durch Fachärzte möglich ist. Dem geneigten Leser soll dieser Artikel über sogenannte pseudo-epileptische Anfälle zur Information dienen. 

Begriffsklärung:
Die Begriffszuordnung ist schwierig.
Die Bezeichnung „Psychogener Anfall“ ist am häufigsten.
Der Terminus „Pseudo-epileptischer Anfall“ drückt die äußerliche Ähnlichkeit zum epileptischen Anfall aus, drängt ihn aber fälschlicherweise in die Nähe der Epilepsie, mit der er nichts zu tun hat.
Aus alter Zeit und (damit) negativ besetzt und sicherlich auch inhaltlich unzutreffend stammen die Bezeichnungen „hysterische“ oder „Wutanfälle“.
Im Epilepsie-Zentrum Bethel benutzt man den Begriff „dissoziativ“ (abgespalten) und bewertet diesen als ideal und umfassend.

Ursachen:
Der psychogene Anfall entsteht aus einer Konfliktsituation heraus; die Ursache ist dem „Kranken“ oft nicht bewusst. Der psychogene Anfall beendet oft Strapaze, Stärke zu zeigen (zeigen zu müssen).
Der psychogene Anfall wird oft durch ein bewusstes oder unbewusstes Verlangen nach mehr Fürsorge und Aufmerksamkeit ausgelöst. Psychogene Anfälle haben einen appelativen Charakter.
Sie bringen bestimmte Tendenzen zum Ausdruck: „Nun, da ich gelähmt bin, kann man nichts von mir verlangen; so weit ist es mit mir gekommen, nun werdet ihr euch endlich um mich kümmern…“

Voraussetzungen:
Voraussetzung zu der Reaktion mit psychogenen Anfällen sind bestimmte Persönlichkeitsstrukturen und Umwelteinflüsse. Sie treten bevorzugt bei „hysterischen“ Persönlichkeiten auf, aber auch bei anderen, vor allem asthenischen Strukturen, die relativ rasch überfordert sind und dann in Konflikte geraten.
Wenig differenzierte und unintelligente Menschen, retardierte, infantile und narzisstische Naturen neigen eher zu diesen Reaktionen.
Es liegt bei den Patienten mit psychogenen Anfällen in der Regel eine neurologische und frühpsychologische Störung vor, es besteht eine früh gestörte Persönlichkeit.
Nach der Lehre Freuds bleibt bei der Verdrängung von Strebungen und Vorstellungen, von unbewältigten Konflikten ins Unbewusste, deren Dynamik erhalten. Sie äußert sich in neurotischen Symptomen. Psychoanalytische Erfahrungen sprechen dafür, dass psychogene Anfälle Phantasien und Erlebnisse zur Darstellung bringen können, die direkt oder indirekt der Genitalsphäre angehören.
Psychogene Anfälle treten meist tagsüber auf, grundsätzlich kann der Betroffene auf die Umgebung reagieren, der Anfall ähnelt am häufigsten einem großen epileptischen Anfall.