Psychische Beeinträchtigungen durch Antiepileptika erneut im Fokus der Wissenschaft

Viele Epilepsiepatienten haben nicht nur mit ihrer Epilepsieerkrankung zu kämpfen, sondern leiden häufig zusätzlich noch unter einer beeinträchtigten Stimmungslage oder unter Verhaltensstörungen.

Schon seit einiger Zeit ist bekannt, dass auch bestimmte antiepileptische Medikamente derartige Symptome verstärken oder zum Ausbruch bringen können. Wissenschaftler der North Shore-LIJ Comprehensive Epilepsy Centers, New Hyde Park, NY, USA, sind kürzlich der Frage nachgegangen, wie häufig dieses Thema bislang in wissenschaftlichen Studien näher untersucht wurde und zu welchen Ergebnissen sie dabei gekommen sind.

Hierzu sammelten sie die Daten aller in der Literatur zur Verfügung stehenden Studien, die sich mit einer medikamentösen antiepileptischen Therapie und deren Auswirkungen auf den seelischen und geistigen Zustand der Patienten befassten. Die Forscher fanden insgesamt nur sehr wenige kontrollierte Studien, die zeigen konnten, dass Antiepileptika spezifische Wirkungen auf psychische Funktionen von Epilepsiepatienten haben können. Deutlich mehr Untersuchungen hingegen gab es über den möglichen Einsatz von Antiepileptika bei bestimmten psychiatrischen Erkrankungen.

Die Daten dieser Studien geben den Experten zufolge den Hinweis darauf, dass bestimmte antiepileptische Medikamente stimmungsstabilisierend, angstlösend und antidepressiv wirken können. Andere wiederum hingegen scheinen Depressionen, Verwirrtheitszustände und Psychosen auszulösen.

Angesichts der Ergebnisse ihrer Literaturanalyse fordern die Wissenschaftler erneut, dass behandelnde Ärzte bei der Auswahl der einzelnen Antiepileptika auch verstärkt auf mögliche negative Auswirkungen der Medikamente auf die psychischen Funktionen der Epilepsiepatienten achten sollen.

Abstract aus Neurology 2006

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