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Aus dem Schatten treten Druckansicht öffnen
soll nach Auffassung der Weltgesundheitsorganistion WHO die Epilepsie und so ihr soziales Stigma verlieren.
Eine weltweite Kampagne, welche die WHO jüngst gemeinsam mit zwei nichtstaatlichen Organisationen aus der Taufe gehoben hat, soll zur Erreichung des Zieles beitragen. Weltweit leiden mehr als 40 Millionen Menschen an Epilepsie. Diese Krankheit ist so alt wie die Menschheit selbst. Julius Cäsar und Pythagoras sollen an der „Fallsucht" gelitten haben. Die genauen Ursachen dieser neurologischen Gehirnerkrankung sind nach wie vor unbekannt; genetische Gründe können genauso vorliegen wie verschiedene Krankheiten des Gehirns.
Epilepsie kennt keine geographischen oder sozialen Schranken, und beide Geschlechter sind gleichermaßen von ihr betroffen. Sie tritt meist im Säuglings- oder Kindesalter bis zur Pubertät oder bei älteren bzw. Alten Menschen auf. Rein statistisch gesehen ist die Prävalenz für dieses Leiden in den Entwicklungsländern höher als im entwickelten Teil der Welt. Die WHO führt dies auf das dortige höhere Risiko für akute und chronische Gehirnhautentzündungen, auf vor- und nachgeburtliche Komplikationen und auf mangelnde Ernährungen zurück. Fünf Prozent der Weltbevölkerung erleiden zumindest einen epileptischen Anfall im Verlauf ihres Lebens.

Die Diagnose „Epilepsie" wird jedoch nur für jene gefällt, die durch wiederkehrende epileptische Anfälle behandlungsbedürftig werden. Neueren Studienergebnissen zufolge spricht nur ein Drittel der Betroffenen auf keine heute verfügbaren Therapien mit Arzneimittel an. Doch können heute in der industrialisierten wie in der entwickelten Welt 70% der neuerkrankten Kinder und Erwachsenen erfolgreich medikamentös gegen Epilepsie behandelt werden. Das heißt, das diese Menschen über Jahre hinweg ihre Anfälle (die als solche ein Symptom der Krankheit, aber nicht die Krankheit selbst darstellen) „gut im Griff haben", bzw. dass sie gar nicht mehr auftreten. Nach zwei bis fünf Jahren der Behandlung kann dann bei 70% der Kinder und bei 60% der Erwachsenen die Therapie abgesetzt werden, ohne dass Rückfälle zu befürchten sind.

Aberglaube und Vorurteile Das „Stigma Epilepsie" haftet an den Patienten und wenige haben den Mut, sich offen zu ihrem Leiden zu bekennen. Die Sozialen Leiden sind oft größer als jene, die durch die Krankheit selbst entstehen. Sind es in der sogenannten „zivilisierten Welt" zumeist tief verwurzelte Vorurteile, die Epileptikern das Leben schwer machen, so herrscht in unterentwickelten Ländern noch oft so mancher Aberglaube, der die Betroffenen ins Abseits drängt. So denkt man in einigen afrikanischen Ländern, dass Epileptiker mit dem Teufel oder bösen Geistern im Bunde seien oder, dass Epilepsie durch „Hexenkraft" entsteht. In Indonesien nimmt man, dass die Krankheit eine Strafe dunkler Mächte für begangene Sünden ist. In Uganda ist es auch heute noch gang und gäbe zu glauben, dass Epilepsie übertragen werden kann. Daher sind dort Epileptiker in einem primitiven Umfeld noch immer vom dörflichen Mahl, (das aus einem einzigen Topf heraus gegessen wird) ausgeschlossen, und gelten als „Unberührbare".
Im Gegensatz dazu werden Epilepsie-Patienten in Senegal durchaus verehrt; gute Geister nämlich, so die allgemeine Auffassung, haben sich der Betroffenen bemächtigt. Damit gehen sie mit den Menschen der Antike im Gleichschritt, bei denen Epilepsie als „die Krankheit der Günstlinge der Götter" bezeichnet wurde.
 
Weit weg von Aberglauben, aber gefährlich nahe an der Ausgrenzung ging und geht man mit Epileptikern auch heute noch in Europa um. Erst im Jahr 1970 wurde im Vereinigten Königreich ein Gesetz außer Kraft gesetzt, das Epileptiker bis dahin mit Heiratsverbot belegte. Bis in die 70er Jahre hinein war es Epileptikern, die an Anfällen litten, in den USA, nicht erlaubt, z.B. Restaurants oder Theater zu besuchen oder öffentliche Gebäude zu betreten.
Eine Studie, die erst im Vorjahr in Deutschland durchgeführt wurde, zeigt, dass ein Fünftel der Befragten glauben, dass es sich bei Epilepsie um eine Geisteskrankheit handelt.
21% sagten, dass sie ihrem Kind nicht erlauben würden, eine/n Epileptiker/in zu heiraten. In den Niederlanden wurde — ebenfalls 1996 (!) - ein Fall bekannt, bei dem ein Epilepsie-Patient wegen seiner Anfälle geschlagen und total von seiner Außenwelt isoliert. Kein Wunder, dass bei einer solchen Menge von weltumspannenden Vor-urteilen Epilepsie-Patienten es schwer haben, ein normales Leben in einem ebenso normalen sozialen Umfeld zu finden. Daten aus Deutschland, Italien und dem U.K. machen deutlich, dass an die 20% der Epileptiker ohne Arbeit sind. 40 bis 60% üben zwar einen Job aus, welcher jedoch in der Mehrheit der Fälle unter dem Niveau ihrer Ausbildung liegt. Auch sind die (in vielen Fällen nicht notwendigen bzw. von den Betroffenen nicht erwünschten) Frühpensionierungen bei ihnen besonders hoch.
Forschung gibt Hoffnung In der Grundlagen-, aber auch in der Klinischen Forschung gibt es heute vage Hoffnungssätze, was die Möglichkeit einer Heilung der Krankheit betrifft. Besser als noch vor einigen Jahren versteht man die Auslösemechanismen der Krankheit — ein wichtiger Aspekt zur Findung von
 
Behandlungsmethoden—wobei man sich gentechnologischer Methoden bedient. Diese stellen die einzige Chance dar, überhaupt hinter die Ursprünge des Leidens zu kommen und es chancenreich therapieren zu können.
In der Klinischen Forschung bedient man sich neuester bildgebender Methoden, vor allem in der Diagnostik. Mit modernen Arzneimitteln kann man, wie gesagt, heute — besonders, wenn die Krankheit frühzeitig festgestellt wird, durchaus zufriedenstellend intervenieren und so die Lebensqualität der Patienten entscheidend erhöhen. Um so bedauerlicher, wenn Menschen eines Leidens wegen ins Abseits gerückt werden — den Intentionen der WHO ist daher Glück zu wünschen.




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