Epilepsie und Sport

Prinzipiell ist die Ausübung von Sport durch Epilepsiekranke zu befürworten.

Natürlich bestehen gewisse Einschränkungen, wobei diese nicht schematisch gesehen werden sollen, sondern individuell.

Jeder Patient hat den Gewinn durch die Ausübung von Sport gegenüber den möglichen Risken individuell abzuschätzen. Auf alle Fälle aber sollte der Epilepsiekranke Sportbetätigungen vermeiden, bei denen er andere gefährden könnte.

Die mit sportlicher Tätigkeit verbundene verstärkte Atmung (Hyperventilation) ist nur selten mit Anfallsauslösung verbunden. Hyperventilation mit körperlicher Anstrengung ist etwas anderes, als die in Ruhe während der EEG-Untersuchung durchgeführte Hyperventilation, die ja bekanntlich anfallsfördernd wirkt. Manche Sportarten sind anstrengend. Wenn diese Anstrengung nicht maximal ist (wie z.B. bei extremen Langläufen, extremen Bergtouren etc.), ist sie nicht schädigend für Anfallspatienten.

Ein extremes Schwitzen mit anschließender Zufuhr übermäßiger Mengen von Flüssigkeit sollte aber auf alle Fälle vermieden werden. Aufgrund der Möglichkeit der Gefährdung durch Anfälle während des Sportes sind gewisse Sportarten für Epilepsiepatienten nicht geeignet: Turnen am Hochreck, an hohen Ringen, an der Sprossenwand, an Stangen, Seilen, Barren; Wurf- und Stoßübungen mit Diskus, Speer bzw. Hammer; Boxen, sowie alle Ringsportarten, Rugby (amerikanischer Fußball), Fechten, Segeln, Motorfliegen, Motorsport. Schwimmen sollte der Patient nur unter Aufsicht und nie allein, insbesondere in überfüllten Schwimmbädern oder in Seen und im Meer.

Ertrinken ist die häufigste Todesursache im Zusammenhang mit epileptischen Anfällen. Hier muß unbedingt angemerkt werden, daß auch ein Wannenbad ohne Aufsicht gefährlich ist. Radfahren als Sportart ist kontraversiell. Einerseits gefährdet der Patient andere beim Radfahren nicht, andererseits aber, insbesondere auf verkehrsreichen Straßen, besteht für ihn eine erhebliche Gefährdung. Generell wird man vom Radfahren nicht abraten, Patienten mit häufigen kleinen Anfällen, die die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen, sollten aber eine andere Sportart wählen.

Gleichermaßen kontraversiell ist Bergwandern und Klettern. Klettern ist natürlich nicht zu verantworten, insbesondere im Hinblick auf den Seilgefährten. Beim Bergwandern sollen exponierte Stellen vermieden werden. Bewegung und Sport bedeuten Leben. Epilepsiekranke sollten sich hier keineswegs prinzipiell einschränken lassen, einige vernünftige Einschränkungen – wie angegeben – sollten aber akzeptiert werden. Es ist ratsam, daß sich der Patient vor Sportausübungen mit seinem behandelnden Arzt unterhält.

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